Fortbewegung auf Euböa
Eine Insel, die man unterwegs kennenlernt
Euböa gehört zu den Inseln, deren Größe man auf einer Karte leicht unterschätzt.
Mit rund 3.600 Quadratkilometern ist sie nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenlands. Wirklich greifbar wird diese Größe jedoch erst unterwegs.
Zwischen Istiea im Norden und Karystos im Süden liegen rund 220 Straßenkilometer. Die Route führt durch Gebirge, entlang von Küsten und durch Landschaften, in denen schnelles Vorankommen selten eine Rolle spielt. Für die Fahrt sollte man etwa vier Stunden einplanen.
Doch damit endet die Insel noch nicht.
Von Istiea bis zum Kap Kavos auf der Lichada-Halbinsel benötigt man weitere rund 50 Minuten. Wer von Karystos bis zum Kap Kafireas im äußersten Südosten fährt, ist ebenfalls noch etwa eine Stunde unterwegs.
Auch die Breite der Insel überrascht viele Besucher. Zwischen Chalkida am Euböischen Golf und dem Strand von Chiliadou an der Ägäisküste liegen lediglich rund 60 Kilometer. Dennoch dauert die Fahrt etwa eine Stunde und zwanzig Minuten. Die Straße steigt zunächst in die Bergwelt Zentral-Euböas an und windet sich anschließend wieder hinunter zur Ostküste.
Kilometerangaben vermitteln auf Euböa deshalb oft ein falsches Bild. Fahrzeiten sind für die Reiseplanung meist deutlich aussagekräftiger.
Straßen zwischen Küste und Gebirge
Die wichtigsten Verkehrsachsen verbinden Chalkida mit den verschiedenen Regionen der Insel.
Gut ausgebaute Straßen führen nach Nord-Euböa, nach Kymi an die Ägäisküste und bis nach Karystos im Süden. Gleichzeitig wird die Insel von mehreren Gebirgszügen geprägt, die viele Verkehrswege bestimmen.
Wer sich abseits der Hauptverbindungen bewegt, fährt selten lange geradeaus. Straßen folgen Tälern, queren Pässe oder schlängeln sich an Berghängen entlang. Entfernungen, die auf der Karte überschaubar wirken, benötigen dadurch oft mehr Zeit als erwartet.
Besonders häufig waren wir auf der Verbindung von Chalkida über Eretria nach Aliveri unterwegs. Sie verbindet das Inselzentrum mit großen Teilen Süd- und Ost-Euböas und vermittelt gleichzeitig einen guten Eindruck von der Vielfalt der Insel. Küstenabschnitte wechseln sich mit fruchtbaren Ebenen, kleineren Orten und den Gebirgen des Inselinneren ab.
Die Wege gehören zur Reise
Viele Fahrten auf Euböa bleiben nicht wegen ihres Ziels in Erinnerung, sondern wegen der Strecke selbst.
Besonders deutlich wird dies auf der Route von Chalkida über Steni Dirfyos nach Kymi.
Nach Nea Artaki führt die Straße ins Landesinnere. Der Dirfys, mit 1.743 Metern der höchste Berg der Insel, bleibt lange Zeit im Blick. In Steni beginnt schließlich der Anstieg in die Bergwelt Zentral-Euböas. Die Straße windet sich in zahlreichen Kurven bis auf rund 1.000 Meter Höhe hinauf, bevor sie auf der Ostseite wieder zur Ägäis abfällt.
Schon während der Abfahrt öffnen sich immer wieder Ausblicke auf das tiefblaue Meer. Hinter Metochi werden diese Perspektiven noch eindrucksvoller. Von den Anhöhen reicht der Blick weit entlang der Küste und über die Berglandschaft Zentral-Euböas.
Für uns gehört diese Strecke zu den schönsten Straßen der Insel.
Ebenso eindrucksvoll ist die Abfahrt von der Passhöhe hinunter in das Tal des Kireas-Flusses im Norden Euböas. Die Straße schlängelt sich durch die Berglandschaft, bevor sie das enge Tal erreicht, das von dichten Wäldern und dem Flusslauf geprägt wird.
Einen ganz anderen Charakter hat die Strecke von Loutra Edipsou nach Gialtra auf der Lichada-Halbinsel. Hier verläuft die Straße entlang des Golfs von Gialtra, dessen ruhiges Wasser stellenweise eher an einen großen See erinnert als an das Meer. Dahinter steigen bewaldete Berghänge auf und prägen das Landschaftsbild.
In Südeuböa zählt die Verbindung zwischen Marmari und Kallianou zu den landschaftlich reizvollsten Strecken. Sie führt durch die Agios-Dimitrios-Schlucht am Nordhang des Ochi-Massivs. Steile Felswände wechseln sich mit Blicken in die tiefe Schlucht des Potamia ab. Mit dem Ende der Schlucht öffnet sich plötzlich die Ägäis. Die Straße verläuft nun hoch über der Küste und begleitet das Meer bis nach Kallianou.
Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb man Euböa unterwegs kennenlernt. Nicht an einem einzelnen Ort, sondern zwischen Küstenstraße, Bergpass und Dorfplatz.
Mietwagen oder Bus?
Für mich ist eine Reise auf Euböa ohne eigenes Fahrzeug kaum vorstellbar.
Nicht nur wegen der Größe der Insel, sondern auch wegen der Freiheit, spontan abzubiegen oder einen Ort anzusteuern, der ursprünglich gar nicht auf dem Plan stand.
Viele der interessantesten Orte liegen abseits der Hauptverbindungen. Kleine Bergdörfer, Aussichtspunkte, abgelegene Strände oder Naturorte erschließen sich oft erst unterwegs.
Wer seinen Urlaub dagegen an einem festen Ort verbringt, kann auch die Busverbindungen von KTEL nutzen. Vor allem zwischen den größeren Städten und Ortschaften verkehren regelmäßig Busse. Eigene Erfahrungen mit ihrer Nutzung haben wir bislang jedoch nicht gesammelt.
Verkehr und Straßenverhältnisse
Wer auf Euböa unterwegs ist, findet überwiegend gut ausgebaute Straßen vor. Selbst abgelegenere Regionen sind meist problemlos erreichbar.
Gleichzeitig bleibt die Insel eine Gebirgslandschaft. Auf wenig befahrenen Bergstraßen können nach stärkeren Regenfällen Steine oder Geröll auf der Fahrbahn liegen. Vor allem in abgelegenen Regionen gehört dies zu den Dingen, mit denen man rechnen sollte.
Nachtfahrten sind grundsätzlich unproblematisch. In den Bergregionen ist jedoch etwas Aufmerksamkeit gefragt, da Hindernisse auf der Fahrbahn bei Dunkelheit naturgemäß später erkannt werden.
Wer zum ersten Mal in Griechenland fährt, wird sich möglicherweise auch an einen etwas anderen Fahrstil gewöhnen müssen. Auf Landstraßen wird häufig überholt, sobald sich eine Gelegenheit ergibt. Mit etwas Gelassenheit lässt sich dies jedoch meist unkompliziert handhaben.
Außerhalb der Hauptreisezeit wirkt der Verkehr auf Euböa insgesamt erstaunlich entspannt. Auf vielen Nebenstraßen begegnet einem über längere Zeit kaum ein anderes Fahrzeug.
Im Juli und August verändert sich dieses Bild etwas. Dann verbringen viele Griechen ihren Urlaub auf der Insel. Besonders an Wochenenden nimmt der Verkehr spürbar zu, vor allem auf den Hauptachsen rund um Chalkida sowie an den Fährhäfen.
Tanken und Navigation
Tanken ist auf Euböa selten ein Thema.
Selbst in ländlichen Regionen findet sich meist eine Tankstelle in erreichbarer Nähe. Entlang der Hauptverkehrsrouten ist das Netz dichter, als viele Besucher erwarten würden.
Ganz ohne Planung sollte man dennoch nicht unterwegs sein. Wer beispielsweise von Karystos in Richtung Kap Kafireas fährt, findet über längere Strecken keine Tankstelle mehr. Ähnliches gilt für die Verbindung zwischen Psachna und Limnionas an der Ägäisküste.
Je weiter man sich von den größeren Orten entfernt, desto höher fallen die Kraftstoffpreise häufig aus. Wer in abgelegenere Regionen fährt, sollte daher nicht erst auf Reserve nach der nächsten Tankstelle suchen.
Beim Tanken lohnt sich außerdem ein Blick auf den Reifendruck. Gerade auf den kurvenreichen Straßen der Insel verlieren Reifen gelegentlich etwas Luft. Entsprechende Luftstationen gehören auf Euböa praktisch zur Standardausstattung jeder Tankstelle.
Für die Navigation reichen Google Maps oder vergleichbare Dienste in der Regel vollkommen aus. Wer gerne mit klassischen Straßenkarten arbeitet, erkennt dort oft zusätzlich, welche Strecken asphaltiert sind und welche lediglich als Schotterpisten ausgebaut wurden.
Fähren als sinnvolle Ergänzung
Für viele Reisen innerhalb Euböas spielen Fähren nur eine untergeordnete Rolle. In bestimmten Situationen können sie jedoch lange Fahrstrecken deutlich verkürzen.
Wer seinen Urlaub beispielsweise in Südeuböa verbringt und einen Tagesausflug nach Athen plant, erreicht über die Verbindung Marmari–Rafina schnell das Festland. Von dort ist die griechische Hauptstadt nicht mehr weit entfernt.
Auch die Verbindung zwischen Agiokampos und Glyfa bietet sich an, wenn man von Nord-Euböa aus Ziele auf dem Festland erreichen möchte.
Mit dem Camper unterwegs
Während unserer Reisen begegnen uns auf Euböa regelmäßig Camper, besonders in der Vor- und Nachsaison.
Häufig trifft man sie an abgelegenen Stränden und Buchten der Insel. Orte wie Limnionas, Amirichi oder Koskina scheinen bei vielen Reisenden beliebt zu sein, die unabhängig unterwegs sein möchten.
Auch an den Fährhäfen fallen Camper immer wieder auf. Oft entsteht der Eindruck, dass Euböa für viele Teil einer längeren Griechenlandreise ist.
Gerade auf einer Insel mit den Ausmaßen Euböas kann die Möglichkeit, den Standort flexibel zu wechseln, ein Vorteil sein. Lange Fahrzeiten zwischen Nord- und Südeuböa lassen sich vermeiden und einzelne Regionen können intensiver erkundet werden.
Parken auf Euböa
Parken haben wir auf Euböa bislang selten als Problem erlebt.
Selbst in Chalkida findet man meist problemlos einen Stellplatz, wenn man bereit ist, einige Minuten zu Fuß zu gehen. Wir parken häufig auf der Festlandseite unterhalb der Burg Karababa. Von dort erreicht man die Promenade in etwa zehn Minuten.
Wer lieber direkt im Zentrum parken möchte, findet mehrere private Parkplätze sowie ein größeres Parkhaus in der Nähe der Fußgängerzone.
Wer unsicher ist, ob das Parken erlaubt ist, kann sich an den Bordsteinmarkierungen orientieren. Weiß bedeutet in der Regel freies Parken, Blau kennzeichnet kostenpflichtige Parkplätze und Gelb weist auf ein Parkverbot hin.
Unterwegs auf Euböa
Euböa erschließt sich oft nicht an einem einzigen Ort.
Die Insel zeigt sich unterwegs – auf Küstenstraßen, in Gebirgstälern, zwischen Olivenhainen und kleinen Dörfern.
Viele Kilometer gehören auf Euböa ganz selbstverständlich zur Reise.
Und genau dabei lernt man die Insel kennen.