Steni Dirfys – Bergluft, Genuss und Natur am Fuß des höchsten Gipfels von Evia

Ein Dorf, das sich langsam im Tal öffnet

Wenn man von Chalkida aus in Richtung Steni fährt, begleitet einen schon früh der Blick auf das steil aufragende Dirfys-Massiv. Kurz vor dem Ort ändert sich jedoch die Stimmung: Die Straße führt in ein enger werdendes Tal, die Hänge rücken zusammen, und am Nordhang erscheint eine markante Felswand. Obwohl der Anstieg kaum spürbar ist, merkt man sofort, dass man sich einer Bergwelt nähert, in der das Klima frischer und die Vegetation üppiger wird.

Steni liegt auf etwa 400 Metern Höhe, durchzogen von kleinen Quellen und umgeben von dichter Vegetation. Wer an heißen Sommertagen aus der Ebene herauffährt, spürt sofort die Wohltat der kühleren Luft – und das nicht nur im Sommer: Steni ist ein Ausflugsziel für das ganze Jahr.

Sommerfrische und Ausflugsmagnet

Viele Besucher kommen zum Wandern, andere einfach zum Genießen – und die meisten verbinden beides. Besonders an Wochenenden zeigt sich das Dorf von seiner lebhaften Seite: Autos säumen die Straßenränder, Tavernen heizen ihre Grills an, und über dem Ort liegt der Duft von Kohle und gegrilltem Fleisch. Dazu kommen Verkaufsstände mit Bergtee, Honig, Kräutern und eingelegten Früchten (γλυκά του κουταλιού).

Wer übernachten möchte, sollte vor allem an Wochenenden im Voraus reservieren – die wenigen Gästehäuser sind beliebt und schnell ausgebucht.

Unter der Woche dagegen kehrt Ruhe ein. Dann sitzt man entspannt auf dem zentralen Platz, hört das Plätschern der Quellen und genießt die besondere Mischung aus Bergfrische und griechischer Gelassenheit.

Wandern zwischen Felswänden, Platanen und Bergpfaden

Der Aufstieg auf den Dirfys

Der Dirfys ist mit 1.743 Metern der höchste Berg der Insel – ein anspruchsvolles Ziel für erfahrene Wanderer. Der Einstieg liegt am Parkplatz an der Passstraße oberhalb von Steni; wer abkürzen möchte, kann über eine Schotterstraße bis zur Schutzhütte auf etwa 1.100 Metern fahren.

Der Aufstieg ist steil, stellenweise technisch fordernd und bei starkem Wind deutlich anspruchsvoller. Trittsicherheit, gutes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind Pflicht.

Xerovouni & Psili Korifi – die „leichteren“ Gipfel

Auf der anderen Seite der Passstraße liegen die Gipfel von Xerovouni (1.412 m) und Psili Korifi (1.453 m). Die Routen dorthin gelten als weniger anspruchsvoll als der Dirfys-Anstieg, bieten aber ebenso weite Ausblicke über Evia und das Meer – ideale Ziele für alle, die eine solide, aber nicht extreme Bergtour suchen.

Agali-Schlucht – schattige Wälder und Höhenmeter

Eindrucksvoll und abwechslungsreich ist die Wanderung durch die Agali-Schlucht. Der Einstieg liegt im nahen Agios Athanasios, etwa 15 Autominuten von Steni entfernt. Die Rundtour führt über Platanenwälder, kühle Abschnitte und schließlich hinauf bis auf rund 800 Meter – landschaftlich großartig und durchaus fordernd.

Durch Steni bummeln – Tradition, Wasser und Geschmack

Ein Spaziergang durch Steni lohnt sich immer. Der zentrale Platz bildet das Herz des Dorfes, eingerahmt von Tavernen, kleinen Geschäften und traditionellen Steinhäusern. Das stetige Rauschen der Quellen ist ein charakteristisches Hintergrundgeräusch und verleiht Steni seinen besonderen Charme.

Direkt nach dem Ort, weiter entlang des Flusses in Richtung Passstraße, stehen einige der mächtigsten Platanen der Gegend. Unter ihrem dichten Blätterdach liegen gleich drei Tavernen, die im Sommer wie im Winter beliebte Rastpunkte sind – ideal für eine Pause zwischen Wanderung und Weiterfahrt.

Wer regionale Produkte liebt, wird schnell fündig: Walnüsse, Kastanien, Bergtee, Kräuter, Honig und Obst stammen direkt aus den umliegenden Wäldern und Feldern.

Mountainbike, Klettern – und winterliche Landschaften

Die Umgebung von Steni ist ein kleines Paradies für Outdoor-Fans. Mountainbike-Strecken führen durch Wälder und über Hochplateaus, und am Kalkstein oberhalb des Dorfes befinden sich mehrere gut erschlossene Kletterrouten – eine lohnende Ergänzung für alle, die Bewegung in der Natur suchen.

Im Winter verwandelt sich der Dirfys zeitweise in eine verschneite Bergwelt. Wintersport ist grundsätzlich möglich, doch im Mittelpunkt stehen Wanderungen und Spaziergänge durch die ruhige, weiße Landschaft – ein fast alpines Erlebnis mitten in der Ägäis.

Geschichte eines alten Bergdorfs

Während der osmanischen Zeit diente die Gegend um Steni als Rückzugsort für Klephten​​. Das heutige Dorf entwickelte sich im 18. Jahrhundert, gegründet von Menschen, die Abgeschiedenheit und Schutz suchten.

Es gibt zudem eine lokale Legende über ein Liebespaar, dessen Geschichte tragisch endete – eine kurze Erzählung, die im Dorf noch bekannt ist, aber ohne große Details weitergegeben wird.

Fazit – Ein Ort für Naturmenschen, Genießer und alle dazwischen

Steni Dirfys ist einer jener Orte auf Evia, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Sei es für eine Wanderung auf die umliegenden Gipfel, für die klare Bergluft oder für einen Moment Ruhe am plätschernden Wasser – Steni verbindet Natur und Atmosphäre auf eine Weise, die lange nachhallt. Ein Dorf, das man erlebt, statt es nur zu besuchen.