Die Halbinsel Lichada – Wälder, Wasserwege und weite Horizonte

Die Halbinsel Lichada bildet den westlichsten Punkt von Nord-Evia — ein bergiges, weitläufiges Stück Land, das sich wie ein eigener kleiner Kosmos anfühlt. Der höchste Gipfel, der Xerosouvala, steigt auf 738 Meter an. Von oben betrachtet zeigt die Halbinsel ihr charakteristisches Bild: dichte Kiefernwälder, helle Felsflanken und lange grüne Bergrücken, die sich bis ans Meer herabwellen.

Während die kleinen Orte überwiegend an der Ost- und Südküste liegen, bleibt die Nordküste fast vollständig unberührt. Hier fallen bewaldete Hänge steil zum Wasser ab, und der Blick reicht weit hinüber zu den Bergen des Festlands, die im Othrys-Gebirge bis über 1700 Meter aufsteigen. Zwischen der Halbinsel und dem nördlichen Festland zieht sich die Meeresstraße von Artemision hindurch – an ihrer schmalsten Stelle misst sie lediglich 2,5 Kilometer. Dort liegen auch mehrere Fischfarmen, die sich wie kleine geometrische Inseln im Wasser abzeichnen.

Entlang der Halbinsel – Ein Wechselspiel von Höhen und Küsten

Von Loutra Edipsou bis zum äußersten Zipfel der Halbinsel bei Kavos führt die Straße meist dicht am Wasser entlang. Eine Route, die mich immer wieder zum Anhalten verleitet: mal wegen des Blicks auf die küstennahen Olivenhaine, mal wegen der langen, grünen Rücken des Telethrio-Gebirges oder der im Dunst liegenden Silhouetten des Festlands.

Zwischen Loutra Gialtron und Gregolimano ragt eine dreieckige Landzunge ins Meer, deren Strände von goldenen Sandbänken und weiten Kiefernwäldern geprägt sind. Der Chrisi Akti Beach, gleich neben dem Club Med Gregolimano, bleibt für mich einer der entspanntesten Strände der Region: viel Platz, gutes Wasser, und ein großer Schuss Gelassenheit, den nur Küstenorte besitzen, die abseits liegen.

Im Westen schließlich öffnet sich der Küstenabschnitt von Kavos – ein langer Sand-Kiesstrand, der sich bis zum Kap zieht. Im Sommer lebt der Ort auf, denn hier starten auch die Shuttleboote zu den Lichadonisia. An ruhigeren Tagen aber hat der Strand etwas Ursprüngliches, fast Wildes, besonders wenn die Wellen dichter werden und der Wind die Kiefernwipfel aufrauschen lässt.

Lichadonisia – Eine Inselwelt mit Vergangenheit

Die Inselgruppe der Lichadonisia entstand durch das große Erdbeben von 427/426 v. Chr., bei dem ein Teil des Kaps Kavos absank. Heute liegen die kleinen Inseln wie grüne Tupfer im seichten Meer.

Auf Monolia, der größten Insel, findet sich im Südosten eine außergewöhnliche Sandbucht: goldener Sand, umrahmt von dunklem Vulkangestein — eine Kombination, die in Griechenland beinahe einzigartig ist. Im Sommer gibt es eine kleine Open-Air-Bar und einige Sonnenliegen, aber die Atmosphäre bleibt trotz Betrieb fast immer angenehm entspannt.

Wenige Schritte weiter erinnern die Ruinen einiger Häuser und eine kleine Kapelle an die frühere Siedlung, die hier einst existierte. Es ist ein stiller, fast geschichtssatter Ort, an dem die Zeit langsam zu vergehen scheint.

Gialtra, Loutra Gialtron und Agios Georgios – Orte am Rand der Ruhe

Die Orte der Halbinsel bilden eine lockere Kette entlang der Ost- und Südküste:

  • Gialtra: Ein ruhiger Ort oberhalb der Küstenebene, mit weitem Blick über die Landschaft und hinunter nach Loutra Gialtron.
  • Loutra Gialtra: Ein beschaulicher Bade- und Kurort mit Thermalquellen, Uferpromenade und kleinen Cafés.
  • Gregolimano: Bekannt durch den langen Sandstrand beim Club Med, gleichzeitig überraschend grün und naturnah.
  • Agios Georgios: Der lebendigste Ort der Halbinsel. Die Promenade ist mit Bäumen aufgelockert, und entlang der Küstenstraße stehen die Tische der Cafés und Tavernen unter überdachten Sitzbereichen. Im Sommer legen hier die Fähren nach Agios Konstantinos ab.
  • Lichada: Ein ruhiger, etwas erhöhter Ort mit zeitloser Gelassenheit – idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in den umliegenden Kiefernwald und auf den Profitis Ilias.
  • Kap Kavos: Der spitz zulaufende Südwestzipfel der Halbinsel: lange Strände, türkisfarbenes Wasser und Ausflugsboote zu den Lichadonisia.
  • Lichadonisia: Eine kleine Inselgruppe nur rund einen Kilometer vor der Küste. Auf der größten Insel stehen noch die verlassenen Häuser und das Kirchlein einer früheren Siedlung. Heute locken Sandbuchten, Liegen, Sonnenschirme und eine Kantina – ein traumhafter Badeplatz.

Jeder dieser Orte hat seine eigene Atmosphäre — mal ruhig, mal belebt — aber alle teilen diese Mischung aus Nähe zur Natur und einer gewissen Zurückhaltung, die Lichada so besonders macht.

Fazit – Ein idealer Ausgangspunkt für alle, die gern unterwegs sind

Die Halbinsel Lichada ist ein wunderschöner Ort, um sowohl die Wälder als auch die Strände Nord-Evias zu erkunden. Die abwechslungsreichen Wege, die stille Nordküste, die vielgestaltigen Strände und die besondere Inselwelt der Lichadonisia machen sie zu einem kleinen Paradies für Entdecker.

Und auch wenn die Region abseits liegt — gerade das verleiht ihr eine stille, intensive Schönheit. Wer gerne unterwegs ist, findet hier eine Landschaft, die mit jedem Kilometer ein kleines bisschen mehr von sich preisgibt.