Gouves – Geschichte, Ausblicke und ein stiller Charme im Norden Evias
Der Weg nach Gouves: Entlang der nordöstlichen Küste
Gouves liegt ganz im Norden Evias und ist über eine der wichtigsten Nord-Süd-Straßen erreichbar. Wer von Stropones Richtung Norden fährt, erlebt eine landschaftlich lohnenswerte Strecke, die sich weit oberhalb der nordöstlichen Küste entlangzieht. Immer wieder öffnen sich weite Ausblicke auf das Meer – Momente, in denen ich unwillkürlich langsamer wurde, nur um die Szenerie zu genießen.
Auf dem Weg durchquert man mehrere größere und kleinere Orte:
Agia Anna, anschließend Paradas, Vasilika und Ellinika. Alle besitzen diese typisch nord-eviotische Mischung aus ruhiger Ursprünglichkeit und kleinen, engen Gassen, die einladen, kurz anzuhalten und ein bisschen Atmosphäre aufzusaugen.
Ankommen in Gouves: Ein Dorf zwischen Hügeln und Geschichte
Gouves selbst wirkt unaufgeregt und authentisch – ein Ort, der sich erst entfaltet, wenn man stehen bleibt. Die Landschaft hier ist grün, leicht hügelig und wirkt auf eine angenehme Art fernab touristischer Betriebsamkeit.
Die Hauptstraße führt mitten durch den Ort, und bereits von unten erkennt man das historische Highlight auf seiner kleinen Anhöhe thronen.
Der Drossini-Turm: Das Wahrzeichen von Gouves
Im Zentrum von Gouves steht der Drossini-Turm, ein venezianisch anmutendes Turmhaus, das Anfang des 19. Jahrhunderts vom Türken Ibrahim Aga erbaut wurde. Später ging es in den Besitz der Familie des bekannten griechischen Dichters Georgios Drossinis über.
Die Anhöhe, auf der der Turm steht, bietet einen herrlichen Blick bis zur Nordküste und hinüber zur Pilion-Halbinsel. Ich habe hier einige Minuten verbracht, den Blick schweifen lassen und die Klarheit der Landschaft auf mich wirken lassen – ein ruhiger, kraftvoller Ort.
Entlang der Straße unterhalb des Turms befinden sich einige Tavernen und Cafés, in denen man sehr gut rasten kann. Ein Kaffee, etwas Hausgemachtes, der Blick auf die Straße – und schon fühlt sich Gouves erstaunlich vertraut an.
Die Metaxa-Festung: Geschichte abseits des Weges
Vom Dorf zweigt eine kleine Straße Richtung Nordküste ab. Nach rund 2,5 Kilometern erreicht man die Überreste einer Metaxa-Festung, Teil eines weit verzweigten Verteidigungssystems aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.
Vor Ort finden sich:
- Überreste unterirdischer Tunnel
- Geschützstellungen
- ein balkonartiger Ausguck über die Landschaft
Doch die Anlage ist nicht erschlossen: keine Hinweise, keine Infotafeln, kein Kontext. Dabei könnte genau das dieses historisch durchaus bedeutsame Denkmal enorm aufwerten.
Die Straße dorthin ist zuletzt unbefestigt und im letzten Abschnitt schwer befahrbar gewesen. Im Zweifel empfiehlt es sich, das Auto früher abzustellen und das kurze Stück zu Fuß zu gehen.
Fazit: Ein ruhiger Ort mit Geschichte und Ausblick
Gouves ist kein Ort, der sich laut anbietet – und genau das macht seinen Reiz aus. Der Drossini-Turm, die Tavernen entlang der Straße und der Ausblick über den Norden Evias prägen ein Bild, das sich angenehm von den touristischeren Gegenden der Insel unterscheidet. Und wer sich für Geschichte interessiert, findet in der Metaxa-Festung einen ungewöhnlichen, wenn auch unbeschilderten Schauplatz vergangener Zeiten.
Für mich war Gouves einer dieser Orte, die unscheinbar wirken, aber nachhaltig im Gedächtnis bleiben – gerade wegen ihrer Ruhe, der Ausblicke und der kleinen historischen Geschichten, die hier überall verborgen scheinen.
