Petries: Natur, Geschichte und versteckte Wege auf Euböa
Petries ist ein kleines Dorf an der Ostküste von Euböa, rund 64 km südlich von Chalkida, landeinwärts gelegen, mit dem Hafen Agioi Apostoli an der Küste. Das Dorf zeichnet sich durch traditionelle Steinbauten, schattige Platane-Plätze und historische Wassermühlen aus, die noch heute von der engen Verbindung zwischen Natur und menschlicher Nutzung zeugen.
Als ich am Nachmittag in das Dorf komme, wirkt es beinahe verlassen. Nur aus der Taverne, in deren Nähe ich das Auto geparkt habe, dringen die Klänge traditioneller griechischer Musik und vereinzelte Stimmen zu mir.
Historische Mühlen und Viros Wasserfälle
Petries ist bekannt für seine historischen Wassermühlen, die die jahrhundertealte Verbindung zwischen Dorf und Wasser verdeutlichen. Zu den bedeutendsten zählen die Vassilis Dalianis Mühle (1890), die Kato Vrysi Mühle (rekonstruiert 1997), die Monk’s Watermill (seit 1200) und die Konstantina Mouroukou Mühle (seit 1500).
Ein weiteres Naturhighlight der Region sind die Viros Wasserfälle, die zu den markanten Landschaftsmerkmalen von Petries gehören und Besuchern einen schönen Ort für kurze Wanderungen und Naturbeobachtungen bieten.
Meroviglia: Panoramablick über Küste und Hügel
Meroviglia ist der höchste Punkt von Petries und bietet einen beeindruckenden Rundblick. Von hier aus lassen sich alle umliegenden Strände überblicken, vom Kap Oktonia über die Inseln Tambouria und Kamila bis nach Koskina. Bei klarer Sicht kann man sogar die Insel Skyros am Horizont erkennen. Im Westen liegt das Feuchtgebiet des Lake Dystos, ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Vogelarten.
Viros Trail: Mystische Wege entlang des Baches
Der Viros Trail startet direkt an der Taverne im Dorf, wo ein Schild den Weg weist. Schon die ersten Schritte sind wie ein kleiner Zauber: Das satte Grün, der dichte Wald und das stetige Murmeln des Baches schaffen eine fast geheimnisvolle Stimmung, die mich sofort in den Rhythmus der Natur eintauchen lässt.
Der Pfad folgt dem Bachlauf, überquert kleine Brücken und führt durch enge Passagen, an denen man auch die Hände zur Unterstützung einsetzen muss. Zwei historische Wassermühlen liegen am Anfang, die erste gleich nach wenigen Minuten, die zweite kurz darauf. Danach öffnet sich ein kleiner Wasserfall, aus dem das Wasser mehrere Meter in ein klares Becken fällt – und in dem Schildkröten neugierig auftauchen, um kurz darauf wieder zu verschwinden.
Beim Weitergehen Richtung Meer spürt man die Ruhe der Landschaft, das Plätschern des Wassers begleitet jeden Schritt, und die Kombination aus Wald, Bach, Felsen und Lichtungen macht die Wanderung zu einem Erlebnis, das sowohl Abenteuer als auch Momente stiller Besinnung bietet.
Waldbrände 2024: Spuren der Zerstörung
Im Sommer 2024 wüteten in der Region um Petries, Krieza und Alonia schwere Waldbrände. Viele Hügelflächen sind kahl, verkohlte Baumstümpfe zeugen von den Flammen. Das Tal des Viros Trails blieb verschont, wodurch Wanderer den eindrucksvollen Kontrast zwischen verbrannter Landschaft und unberührtem Grün erleben können.
Fazit
Petries vereint Natur, Geschichte und griechisches Dorfleben auf kompakte Weise. Wer das Dorf besucht, entdeckt historische Wassermühlen, idyllische Wasserfälle und Wege, die die Seele der Region spürbar machen. Für mich bleibt Petries ein Ort, an dem Vergangenheit, Natur und Kultur noch deutlich miteinander verbunden sind – ein kleines Juwel auf Euböa, das in Erinnerung bleibt.
