Anfahrt mit Aussicht – von Pilio hinauf nach Vlachia
Schon die Fahrt nach Vlachia ist ein Erlebnis für sich. Vom Hafen von Pilio sind es rund zehn Kilometer, doch diese ziehen sich nicht – im Gegenteil. Die Straße schraubt sich hoch oberhalb der Küste entlang und gewinnt stetig an Höhe. An der höchsten Stelle befindet man sich etwa 170 Meter über dem Meer, und immer wieder öffnen sich eindrucksvolle Panoramen auf die Ägäis.
Trotz aller Schönheit ist Aufmerksamkeit gefragt. Die steilen Hänge links der Straße sind instabil, immer wieder rollen Steine auf den Asphalt. Dass es hier auch zu größeren Gerölllawinen kommt, verraten die Leitplanken: verbogen, verbeult, sichtbar gezeichnet vom Kampf gegen die Schwerkraft. Die Straße führt durch dichten Wald, der sich immer wieder lichtet und kurz den Blick freigibt – ein Wechselspiel aus Schatten, Grün und tiefem Blau. Später dreht die Straße landeinwärts, das Meer verschwindet, und kurz darauf tauchen die ersten Häuser von Vlachia auf.
Vlachia – ein Dorf mit Ruhe und Höhenlage
Vlachia liegt erhöht am schattigeren Nordhang jenseits des Pixaria. Das hat zur Folge, dass die Sonne hier etwas früher hinter dem Berg verschwindet – ein Detail, das man vor allem am späten Nachmittag bemerkt. Dafür liegt das Dorf eingebettet in eine eindrucksvolle Landschaft: Auf der einen Seite die Ägäis, auf der anderen die steil ansteigende Bergkette, die diese Region prägt und dem Ort seinen ruhigen, fast abgeschiedenen Charakter verleiht.
Ein Stopp lohnt sich unbedingt. Vlachia ist ruhig, fast entschleunigt. Beim Schlendern durch die schmalen Gassen entdeckt man immer wieder Häuser mit liebevoll gepflegten Gärten, Terrassen voller farbenfroher Blumentöpfe und kleine Details, die zeigen, dass hier Menschen mit Stolz und Verbundenheit leben.
Agia Triada und der Blick in alle Richtungen
Ziel eines Spaziergangs ist fast automatisch der Platz mit der Kirche Agia Triada. Von hier aus öffnet sich ein schönes Panorama in alle Richtungen – Dorf, Berge und, je nach Blickwinkel, auch das Meer. Am selben Platz befinden sich das Rathaus und die Schule, was dem Ort eine angenehme, authentische Mitte verleiht. Es ist kein touristischer Platz, sondern einer, der zum Verweilen einlädt.
Essen mit Aussicht – einfach und ehrlich
Am Dorfrand in Richtung Sarakiniko liegt eine Taverne mit Aussichtsterrasse, die zu den schönsten ihrer Art gehört. Der Blick reicht über die Ägäis bis hin zu den Inseln der Nördlichen Sporaden – ein Ort, an dem man automatisch länger sitzen bleibt, als geplant.
Wer es noch bodenständiger mag, findet in Vlachia auch einen einfachen, aber ausgezeichneten Souvlaki-Grill, kombiniert mit einem Minimarkt. Kein Schnickschnack, dafür ehrliche Küche – genau das, was man nach einer Fahrt oder Wanderung schätzt.
Wandern am Pixaria – anspruchsvoll, aber lohnend
Von Vlachia aus ist auch die Besteigung des Pixaria möglich, dessen massiver Rücken stets präsent über dem Dorf liegt. Der Aufstieg ist anspruchsvoll: Rund 1.200 Höhenmeter müssen überwunden werden, die Gehzeit liegt bei etwa vier Stunden. Gute Kondition ist Voraussetzung, doch wer sie mitbringt, wird mit intensiven Naturerlebnissen und weiten Ausblicken belohnt.
Strände unterhalb des Dorfes – dunkel, wild und naturbelassen
Zum Baden bietet sich zunächst der Vlachia Beach direkt unterhalb des Ortes an. Es handelt sich um einen dunklen Sand-Kies-Strand, an den der Kiefernwald fast bis ans Wasser heranreicht – eine schöne, natürliche Kulisse.
Etwas weiter liegt der Potamia Beach, eine kleine Kiesbucht, auf die der Makrigialos Beach folgt. Letzterer ist der schönste der genannten Strände. Er liegt auf halber Strecke nach Sarakiniko direkt an der Straße, und eine einfache Taverne macht ihn auch für einen längeren Aufenthalt attraktiv.
Sarakiniko – am Ende der Straße, am Anfang der Einsamkeit
Etwa zehn Autominuten nach Vlachia erreicht man Sarakiniko. Der kleine Weiler wirkt wie ein Ort am Ende der (Evia-)Welt. Kurz hinter den wenigen Häusern endet die Asphaltstraße, und nur noch eine schmale Erdpiste führt weiter.
Sarakiniko ist nichts für Komfortsuchende. Es gibt keine Infrastruktur, keinen Trubel, keine Ablenkung. Wer zum Strand möchte, fährt die schmale Straße hinunter und legt das letzte Stück zu Fuß zurück. Unten angekommen erwartet einen ein dunkler Kiesstrand, eingerahmt von bewaldeten Felsenkaps und einer vorgelagerten kleinen Felseninsel. Still, abgeschieden, ursprünglich.
Persönliches Fazit
Ich habe Vlachia und Sarakiniko bewusst angesteuert – wegen der Strecke, wegen der Landschaft und wegen dieses besonderen Zusammenspiels aus steiler, waldreicher Küste und hohen Bergen. Genau diese Erwartung hat sich hier auf eindrucksvolle Weise erfüllt.