Gialtra und Loutra Gialtron – Ein verstecktes Juwel auf Evia
Wer die nördliche Spitze der Insel Evia erkundet, entdeckt eine Ecke, die noch weitgehend vom Massentourismus verschont geblieben ist: Gialtra. Das Dorf liegt an einem nach Osten abfallenden Hang der Lichada-Halbinsel auf etwa 140 Metern Höhe und eröffnet einen spektakulären Blick über die gesamte Bucht von Loutra Edipsou. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis: Von Loutra Edipsou aus führt die Straße fast durchgehend unmittelbar hinter der Küste entlang. Immer wieder öffnen sich Strandabschnitte, manche schmal, andere überraschend weit und einladend.
Der schönste unter ihnen ist zweifellos die Paralia Porto Lefko – eine makellose Bucht ganz am Ende der Küstenlinie: ein weicher Sandstrand, gesäumt von Kiefern, im Sommer mit einem kleinen Kiosk, Sonnenschirmen und Liegen versehen. Die bewaldeten Hügel ringsum machen die Szenerie perfekt. Wer hier badet, genießt Postkartenidylle – doch Vorsicht: Das Wasser fällt abrupt steil ab, und nach wenigen Schritten verliert man bereits den Boden unter den Füßen.
Weiter der Straße folgend gelangt man schließlich nach Gialtra. Wer in den Ort möchte, muss rechts abbiegen, denn eine Umgehungsstraße führt inzwischen unterhalb des Dorfes vorbei – und ebenso an Loutra Gialtron –, erst danach trifft sie wieder auf die alte Route.
Ein Dorf zum Entdecken
Gialtra überzeugt durch Ruhe und Authentizität. Gleich am Ortseingang liegt das Weingut Vrinitos, ideal für eine kleine Rast. Von der Terrasse reicht der Blick weit zurück über die Bucht bis nach Loutra Edipsou – besonders am Nachmittag ein magischer Moment.
Im Zentrum des Dorfes befindet sich die weiß getünchte Kirche Agios Nikolaos, von deren rückseitigem Platz man eine eindrucksvolle Aussicht auf die Küstenlinie des nördlichen Evia genießt. Der Ort wirkt kompakt, aber lebendig und ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in die umliegenden Hügel, etwa in Richtung des 738 Meter hohen Xerosouvala oder zu einer der kleinen Kapellen in der Umgebung.
Nur wenige Minuten entfernt und fast wie ein eigenständiger Ortsteil wirkt der herrliche Strand Paralia Mylos Gialtros – allgemein als Mill Gialtra Beach bekannt. Eine schmale Straße führt rund zwei Kilometer in einer Linkskurve hinunter. Unten öffnet sich eine wunderschöne Sandbucht, in der kleine Fischer- und Sportboote liegen. Der Strand ist naturbelassen, und man kann auf dem feinen Sand bis zur niedrigen Landzunge laufen. Dort steht eine alte Mühle, die dem Strand seinen Namen gibt. Der Blick von hier hinüber nach Loutra Edipsou ist fantastisch.
Loutra Gialtron – Charmanter Küstenort mit Thermalquelle
Rund zwei Kilometer weiter südöstlich erreicht man Loutra Gialtron, einen kleinen Küstenort, der für seine Thermalquelle bekannt ist. „Thermalbadeort“ beschreibt ihn gut, doch man sollte es eher als schlichte, charmante Variante eines Kurorts verstehen – ohne großen Ausbau, dafür mit viel natürlichem Charakter.
Entlang der schmalen Promenade stehen einige Bäume, deren frisches Grün das Ortsbild auf angenehme Weise auflockert und Loutra Gialtron einen dezenten mediterranen Charme verleiht. Im Zentrum des Ortes befindet sich ein Bootsanleger, dahinter beginnt ein kleiner Strandabschnitt mit Sonnenschirmen, Kiosk, Café und zwei Tavernen.
Ein besonderes Merkmal ist die Thermalquelle, die an der Straße mit „Iamatiki Pigi“ ausgeschildert ist. Eine Betontreppe führt hinunter zu einem kleinen Strand unterhalb einer Mauer, wo das warme Wasser direkt ins Meer austritt und die Küste leicht rötlich färbt. Wer das Thermalwasser genießen möchte, legt sich einfach in den seichten Wasserstrom und spürt die angenehme Wärme und die mineralischen Inhaltsstoffe – ganz unkompliziert und ursprünglich.
Direkt jenseits der Straße liegt die verfallene Badeanlage, die Loutra Gialtron einst zu einem kleinen Kurbad machte. Zu sehen sind noch einige Wasserbecken sowie Gebäude, die wahrscheinlich früher medizinische Anwendungen beherbergten. Das heiße Wasser fließt weiterhin aus den Becken über einen schmalen Kanal unter der Promenade hindurch zum Strand. Auch wenn die Anlage heute nicht mehr genutzt wird, erzählt sie ein Stück Geschichte des Ortes und verleiht ihm einen leisen nostalgischen Charme.
Ein kurzer Abstecher nach Chrisi Akti
Folgt man der Küstenstraße weiter, gelangt man nach rund vier Kilometern nach Gregolimano, dessen Küstenabschnitt fast vollständig vom großen „Club Med“-Resort dominiert wird. Doch schon vorher lohnt sich ein kurzer Abstecher: Eine unbefestigte Nebenstraße führt nach etwa 150 Metern hinunter zur Chrisi Akti – ein fantastischer Sandstrand vor einer herrlichen Naturkulisse. Hier gibt es die kleine Cafebar „Gold Coast“, Sonnenschirme, Liegen und einen weiten Blick zum gegenüberliegenden Festland. Ein wunderbarer Ort für einen entspannten Badetag.
Unterkünfte und Entspannung
Die meisten Übernachtungsmöglichkeiten findet man in Loutra Gialtron: kleine Hotels mit Komfort und Apartments bieten einen angenehmen und entspannten Aufenthalt. Da die neue Umgehungsstraße Lärm und Durchgangsverkehr fernhält, hat der Ort seine ruhige, authentische Atmosphäre bewahrt – ideal für alle, die entspannte Tage nahe am Meer verbringen möchten.
Mein Fazit
Gialtra und Loutra Gialtron haben mich mit ihrer Mischung aus landschaftlicher Schönheit, Ursprünglichkeit und kleinen, eher unscheinbaren, aber liebenswerten Highlights begeistert: die Weinberge, die Sandbuchten, die Aussichtspunkte und nicht zuletzt die warme Thermalquelle, die auf ihre ganz einfache Weise wohltuend ist. Wer abseits des Trubels einen Ort sucht, der echte Ruhe und Naturverbundenheit ausstrahlt, findet hier einen Rückzugsort, der lange in Erinnerung bleibt.