
Über Evianos
Warum diese Insel bleibt
Manchmal sind es nicht die lauten Orte, die bleiben.
Es sind die leisen Momente, die sich festsetzen: das Glitzern des Golfs im späten Nachmittagslicht, die Silhouetten der Festlandsberge auf der Fahrt – und ein Hirte, der seine Ziegenherde quer über die Straße treibt. Plötzlich ist man mit dem Auto mittendrin, ein Teil dieses flüchtigen Moments.
Orte, die nichts verlangen, keine Aufmerksamkeit einfordern – und genau deshalb nicht mehr loslassen.
Als ich Euböa – Evia – im Jahr 2009 zum ersten Mal erreichte, gab es kein klassisches Ankommen. Keine Fähre, keinen Bruch zwischen Festland und Insel. Man fährt einfach hinüber. Erst später begreift man, dass man längst woanders ist.
Vielleicht war genau das der Anfang.
Wir wohnten damals in einer Ferienwohnung in Malakonta bei Eretria. Zwei Wochen Zeit, ein Mietwagen, keine Erwartungen. Von dort fuhren wir los – ohne Plan, nur mit Richtung.
In den Norden, wo Loutra Edipsou dampft und das Wasser glitzert, in den Osten nach Chiliadou und Kymi, wo Wind und Wellen den Takt angeben, in den Süden nach Karystos, wo die Insel weit und fast herb wirkt. Immer wieder hielten wir irgendwo dazwischen an – nicht, weil es im Reiseführer stand, sondern weil es sich richtig anfühlte. Wir stiegen von den Straßen ab, folgten kleinen Pfaden, blieben stehen, spürten die Insel unter unseren Füßen, hörten das Rascheln der Blätter, rochen den salzigen Wind, sahen, wie Licht über Felsen und Wasser tanzt.
Was damals begann, hat mich nicht mehr losgelassen. Ich kehre zurück, immer wieder. Zuletzt im Oktober 2025, auf einer Rundreise mit Übernachtungen in verschiedenen Inselteilen. Und irgendwann wurde klar: Diese Insel gibt den Rhythmus vor – leise, unaufdringlich, beständig.
Eine Insel ohne Pose
Euböa ist keine Insel der großen Gesten. Sie braucht keine Postkartenmotive, keine perfekten Blickachsen.
Und doch ist alles da: Gebirge, Ebenen, Olivenhaine, Strände, Schluchten, byzantinische Kirchlein und Klöster, oft eingebettet in besonders schöne Landschaften. Die Landschaft verändert sich ständig, weil sie nie weit vom Meer entfernt ist: An der Golfseite liegt das Wasser ruhig wie ein See, vom Land eingeschlossen. Auf der Ägäisseite trifft Wind auf Felsen, Berge fallen steil ins Meer, Strände wirken rau und ursprünglich.
Vor allem in Chalkida, wo die meisten Reisenden die Insel betreten, wird das spürbar. Die Stadt lebt, atmet, erzählt Geschichten. Menschen erledigen ihren Alltag: Einkäufe, Arztbesuche, Kinder laufen über Plätze, der Kaffee dampft auf kleinen Tresen, Gespräche ziehen sich zwischen den Häusern. Tourismus existiert, aber er gibt nicht den Takt vor. Schon bei der Ankunft merkt man: Man ist nicht Gast in einer Kulisse, sondern Besucher in einem funktionierenden Lebensraum.
Gleichzeitig liegt Geschichte offen da, ohne sie auszustellen. Die osmanische Burg Karababa über dem Euripos. Die Emir Zade Moschee, die letzte erhaltene Moschee in Chalkida. Die Kirche Agia Paraskevi, die älteste vollständig erhaltene frühchristliche Kirche Griechenlands. Reste des Kamares, eines römischen Aquädukts, und neoklassizistische Häuser. In Eretria, einst eine der bedeutenden Polis der Antike, wird Geschichte nicht erklärt – sie liegt einfach im Boden.
In der lilantischen Ebene ragen venezianische Türme und ein fränkisches Kastro aus der Landschaft. Und wer zu Fuß unterwegs ist, erlebt die Insel noch einmal anders: rund um den Dirfys, mit 1.743 Metern der höchste Berg Euböas, in Schluchten wie der Dimossari-Schlucht oder am Wasserfall von Drymonas. Wandernd verlangsamt sich alles. Man kommt ins Gespräch, bleibt stehen, hört das Wasser, riecht den Wald, versteht mehr. Für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.
Irgendwann fühlt es sich nicht mehr nach Entdecken an, sondern nach Wiedersehen.
Die Idee hinter Evianos
Evianos ist aus einem Mangel entstanden.
Wer sich für Euböa interessiert, findet Informationen oft nur bruchstückhaft – verteilt, oberflächlich, zufällig. Vieles muss man sich zusammensuchen. Vieles bleibt unerwähnt.
Evianos möchte diese Lücke schließen.
Nicht als Reiseführer. Nicht als Empfehlungsliste. Und nicht als Werbung.
Ich zeige, was es gibt, und beschreibe, wie ich es erlebt habe. Die Texte sind persönlich, erzählerisch und zugleich von Erfahrung getragen. Geschrieben mit dem Blick eines Reisenden, der Griechenland seit fast drei Jahrzehnten kennt, viele zehntausend Kilometer auf griechischen Straßen zurückgelegt hat und gelernt hat, zwischen Oberfläche und Alltag zu unterscheiden.
Evianos ist ein privates Freizeitprojekt, gestartet im Dezember 2025. Es entsteht langsam, nebenbei, ohne Auftrag, ohne Kooperationen, ohne Gegenleistungen. Wenn sich Dinge verändern oder neue Informationen hinzukommen, bin ich dankbar für Hinweise – denn auch diese Insel bleibt nicht stehen.
Hinter Evianos stehe ich, Heiko, als Gründer, Autor und Reisender.
Für wen Evianos ist
Evianos richtet sich an Menschen, die Griechenland nicht abhaken wollen.
An Reisende, die nicht nur kommen, um gesehen zu haben, sondern um zu verstehen. An jene, die Orte schätzen, die nicht ständig gezeigt werden – weil sie es nicht nötig haben.
Euböa ist ideal für Individualreisende. Die Anreise ist einfach: Flug nach Athen, Mietwagen, etwa eine Stunde Fahrt bis zur Inselhauptstadt. Zwei Straßenbrücken und mehrere Fährverbindungen machen die Insel besonders attraktiv für Camper. Außerhalb der Sommermonate Juli und August findet man hier viele Strände, an denen Stille kein Luxus ist.
Pauschaltourismus spielt kaum eine Rolle. Nur wenige Hotels in Eretria oder Nea Styra tauchen in den Katalogen großer Veranstalter auf. Euböa ist keine Insel für Partyurlauber. Sie ist für Menschen mit Zeit.
Was du auf Evianos findest
Evianos sammelt Eindrücke.
Von Orten, an denen man länger bleibt als geplant. Von Stränden, die sich erst beim zweiten Blick öffnen. Von Wegen durch Olivenhaine, Schluchten und über Bergkämme. Von Dörfern, die leise sind. Und von Momenten, die nicht laut sein müssen.
Hier findest du Texte über Orte und Erlebnisse, die die Insel lebendig machen:
- Orte und Dörfer mit eigenem Rhythmus
- Strände – ruhig, weit, manchmal rau, oft nur für dich allein
- Landschaften, Schluchten und Wanderungen
- Unterkünfte, wie man sie unterwegs entdeckt
- Küche, die satt macht, ohne sich aufzudrängen
- Sehenswerte Plätze, kleine Besonderheiten und kulturelle Spuren
- Begegnungen, Feste und Veranstaltungen
- Möglichkeiten, unterwegs zu sein: zu Fuß, mit dem Auto, mit Zeit
Alles wird aus der Erinnerung und unterwegs festgehalten. Oft gemeinsam mit meiner Frau Anita, immer aus meiner persönlichen Perspektive. Jeder Text ist ein Moment, ein Atemzug der Insel.
Evia oder Euböa
Die Griechen nennen die Insel Evia.
Im deutschsprachigen Raum ist sie unter dem Namen Euböa bekannt. Auf Evianos werden beide Namen verwendet – gemeint ist immer dieselbe Insel.
Weitergehen
Wenn du die Insel näher kennenlernen möchtest, beginnt der Weg hier:
Evianos ist kein abgeschlossenes Projekt.
Es wächst mit jeder Rückkehr, mit jedem neuen Weg, mit jedem erneuten Blick auf Bekanntes. Manche Orte verändern sich, andere bleiben erstaunlich gleich. Und genau darin liegt der Reiz: dass diese Insel nicht fertig erzählt ist – und ich es auch nicht bin, noch längst nicht.
